Peinliche Rezension in der DME 4/2018 ...

Ergänzungen, Anregungen und Kritik zur DME
MartinSchiffmann
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Peinliche Rezension in der DME 4/2018 ...

Beitrag von MartinSchiffmann » Fr 28. Dez 2018, 14:52

Wertes DME-Redaktionsteam,

als langjähriger Abonnent der DME habe ich die kritisch-sachlich-fundierten Buchbesprechungen in der DME bisher als einen der großen Pluspunkte der DME angesehen, hoben sich diese doch wohltuend von den vielzuoft zu lesenden Lobhuddeleien, Sich-gegenseitig-auf-die-Schultern-Klopfen-Besprechungen, Gefälligkeits-Rezensionen und Schönschreib-Orgien ab.

Zu diesem guten Ruf der DME-Rezensionen hat nicht nur der leider allzufrüh verstorbene Wolfram Bäumer beigetragen, auch andere "im Thema steckende" Autoren wußten ein fundiert-kritisches Urteil abzugeben.

Umso ärgerlicher ist für mich jetzt der Umstand, dass nun ...zwei mir seit langem als Lobhuddeler aufgefallene Eisenbahn- und Nahverkehrsfreunde Rezensionen für die DME erstellen, die durch tlw. fehlende, aber gebotenen Distanz zu Autor und Verlag unangenehm auffallen bzw. eindeutig zeigen, dass der Rezensent "nicht im Thema steckt". Man könnte verkürzend auch sagen, hier reden Blinde über Farben.
Fragen bleiben.

... ist sicherlich ein ausgewiesener Kenner der deutschen Nahverkehrsgeschichte, unzählige Aufsätze und Publikationen aus seiner Feder belegen dies.
Nicht sein Metier scheinen aber Buchrezensionen zu jenen Themen zu sein. Seit Jahren schreibt er im Auftrag für einen langjährigen Freund , einem Kölner Nahverkehrs-Versandhändler , entsprechende Buchbesprechungen, die auf einer großen Internetplattform regelmäßig erscheinen. Gemein ist diesen Buchbesprechungen, dass sie kaum und nur höchst selten offen kritische Anmerkungen zu offensichtlichen Versäumnissen und Fehlern beinhalten - sie geben für mich eindeutig den Eindruck von "Gefälligkeitsbesprechungen" wieder.
Vielleicht liegt es daran, dass ... mit kritischen Buchbesprechungen seinem Freund nicht das Buchgeschäft verderben will, vielleicht gilt in Köln aber auch: Wes Brot ich es, des Lied ich sing - wer weiss.

Vielleicht will ... es sich aber auch ganz einfach nicht mit künftigen Herausgeber von Büchern aus seiner Hand verderben?
Fragen bleiben.

Kommen wir zu ...:

Ein an für sich interessantes Thema, der Lokomotivbau beim VEB Lokbau Karl-Marx (LKM) in Potsdam-Babelsberg, wurde in die Hände eines fachlich ungeeigneten Autors (Udo Kandler) gelegt, dem der Maschinenbau aufgrund seiner beruflichen Vita völlig fremd ist - dieser Versuch einer mehr als oberflächlichen Beschreibung konnte nur mißlingen. Bedauerlicherweise verfügte der betreffende Verlag (EK-Verlag in Freiburg) erkennbar weder über ein themenkundiges Lektorat, noch war man offenbar bereit, "im Thema steckende" Autoren zwecks Korrekturlesen anzusprechen. Offenbar musste alles dann sehr schnell gehen, um das Weihnachtsgeschäft 2018 noch "mitzunehmen".
Fragen bleiben.

Ich habe das Buch auf der Modellbahnmesse 2018 in Köln am EK-Stand intensiv durchgesehen, und dann enttäuscht wieder weggelegt. Abgeschreckt haben mich u.a.:

- Fehlerhafte Benennung von Werkzeugmaschinen
- Bildunterschriften, wo man dem Autor anmerkte, dass der Bildinhalt für ihn "böhmische Dörfer" waren
- seitenlange, unkommentierte SED-Lobeshymnen und Selbstbeweihräucherungen des Sozialismus, die nicht im Einklang zum Buchtitel zu bringen sind
- Eine Wiedergabe einer LKM-Festschrift als Kerninhalt des Buches
- Eine oberflächliche Referenzliste, die dem Leser als Lieferliste verkauft wird
- Fehlerhafte Benennung der einzelnen Facharbeiter-Berufe
- Fehlende Rechersche im Brdbg. Staatarchiv in Potsdam-Bornim bzw. im VM Dresden

Als jemand, der jahrelang im Maschinenbau tätig war und zudem mehrmals in Potsdam-Bornim zum Thema LKM recherschiert hat, erlaube ich mir diese Aussagen.

Genauso ärgerlich finde ich dann die unreflektierte Lobhuddelei, die ... bei der Besprechung dieses Buches in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Die Museumsbahn" , Ausgabe 4/2018 vom Stapel läßt.

...

Kritikpunkte an dem Werk fand er nicht - was mir genug Hinweis gibt, dass die Bereiche Metallverarbeitung , Maschinenbau und natürlich das Produktionsspektrum von LKM bisher nicht zu seinem Wissensgebiet zählten - weder beruflich, noch hobbymäßig und erst recht nicht aus Sicht eines Schreibers in Sachen Eisenbahn und Nahverkehr.

Weder hat er fehlerhafte Bildunterschriften erkannt, noch sachlich inhaltliche Falschaussagen festgestellt.
Wie ein Hohn für alle kundigen Leser muss da seine Aussage klingen: "Ist das Buch schon für sich eine gelungene Dokumentation ostdeutscher Lokomotivgeschichte, wird gerade dem Kleinbahnfreund manche spannende Schmalspurlok geboten, die ebenfalls in Babelsberg entstand."

Ach so - so einfach ist das. Offenbar sind .. Ansprüche in Sachen deutscher Lokomotivbaugeschichte wesentlich tiefer angesiedelt als seine Anforderungen an die dt. Post- und Omnibusgeschichte.

Nur nebenbei: Bei LKM wurde keine einzige "Kleinbahnlok" gebaut, zudem haben Kleinbahnen durchaus auch die Regelspurweite von 1435 mm.

Fazit:
Entweder verfasste ... diese Rezension mit dem Blick durch die rosarote Eisenbahnliebhaberbrille und erfreute sich an den vielen , für ihn neuen Aufnahmen , oder er war als themfremder hiermit überfordert oder aber es war volle Absicht, da man bei negativer Kritik evtl. in Bruchhausen-Vilsen befürchten muss, beim EK in "Ungnade" zu fallen und nicht mehr mit kostenlosen Besprechungsexemplaren aus Freiburg bedacht zu werden?

Es fällt zudem auf, dass ... als EK-Autor in der DME vor allem Bücher des EK-Verlag über den grünen Klee lobt - ein Schelm, wer böses dabei denkt. Vmtl. alles rein zufällig, oder?
Fragen bleiben.

Eins bleibt zum Schluß festzustellen:
Unter der Regie des fachkundigen Wolfram Bäumer (+) hätten es solche üblen Lobhuddeleien jedenfalls nicht in die DME geschafft.

Glück Auf!

Martin Schiffmann, Krefeld

verdennis
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Re: Peinliche Rezension in der DME 4/2018 ...

Beitrag von verdennis » Mo 31. Dez 2018, 18:27

Hallo Herr Schiffmann,

vielen Dank für Ihre Rückmeldung und Ihre Kritik. Dazu möchte ich Folgendes antworten:

1. Für den Einsatz von unseren Rezensoren bin ich als Redaktionsleiter sehr dankbar. Die Kollegen publizieren selbst viel und kennt viele Leute aus der Szene. Inwieweit wer mit wem befreundet ist oder aus sonstigen Gründen nahe stehen mag, ist für die Mitarbeit an der DME erst einmal irrelevant: Die nötige Neutralität und Sachlichkeit setze ich voraus, und hier habe ich auch keinen Grund für Zweifel.

2. Als Bahnpublizist kommt jemand ... um Großverlage wie den EK kaum herum. Aber auch das sollte einen Rezensenten aber nicht grundsätzlich diskreditieren. Es gibt durchaus Titel, bei denen er dem Redaktionsteam eine Besprechung empfiehlt, sie aber selbst nicht vornehmen möchte, weil er sich hier z. B. wegen Mitarbeit befangen fühlt. Dies gilt entsprechend auch für andere DME-Rezensenten/-innen. Ich weise die Unterstellung entschieden zurück, dass es im Verhältnis DME-Redaktion zu DEV-Vorstand und/oder Redaktionen von Eisenbahnbuchverlagen irgendwelche Befindlichkeiten/Abhängigkeiten gäbe: Wenn wir literarischen Schrott erkennen, benennen wir das auch in der DME, egal von welchem Autor geschrieben und von welchem Verlag herausgebracht.

3. Die DME-Rezensenten/-innen wählen die zu besprechenden frei aus und würden sich keine Titel zu Themen auswählen, von denen sie überhaupt keine Ahnung haben bzw. in die sie sich thematisch einarbeiten wollen würden. Fallen mir selbst andere Kritiken z. B. online auf, weise ich unsere Rezensenten/-innen darauf hin. Ob sie das Werk dann rein werkimmanent betrachten oder nach anderen Meinungen suchen und diese mit einfließen lassen, ist jeweils ihre Sache. Da möchte ich keinen Einfluss nehmen. Sprachlich-stilistische Eigenheiten sind hinnehmbar, auch wenn eine Bezeichnung wie "Kleinbahnlok" im DDR-Gebiet natürlich unpräzise ist. Im Einzelfall, wie hier, mag es sehr unterschiedliche Auffassungen zur Qualität eines Werks geben. Der entsprechende Rezensent erhält dies dann selbstverständlich zur Kenntnis, die weitere Klärung erfolgt dann redaktionsintern.

4. Die teils bissige Kritik und das Fachwissen von Wolfram Bäumer können wir nicht vollumfänglich ersetzen. Auch können wir das individuelle technische Fachwissen, das Sie beispielsweise als Maschinenbautechniker mitbringen, und das hier geholfen hätte, einen spezifischeren Blick auf das Werk zu werfen, nicht bei allen ehrenamtlichen Rezensenten/-innen voraussetzen. Damit müssen wir ein Stück weit leben. Das hat dann aber grundsätzlich nichts mit Lobhudelei zu tun, denn das andere Extrem, quasi alles nach Möglichkeit in Grund und Boden zu kritisieren, dient letztenendes auch niemandem und würde von der DME-Leserschaft genausowenig goutiert werden. Gerade wir beide als in der Szene durchaus als streitbar bekannte Persönlichkeiten sollten das immer berücksichtigen!

Bezogen auf das LKM-Buch biete ich Ihnen gerne an, bis Mitte Januar für die kommende Ausgabe eine Gegendarstellung zur Rezension zu liefern. Ich erwarte dann aber bitte eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Werk, nicht mit dem Rezensenten! Ansonsten hoffe ich, dass Sie an zukünftigen DME-Buchbesprechungen wieder mehr Freude haben werden. Sollten Ihnen zu Neuerscheinungen, die wir aller Voraussicht nach auch in der DME besprechen, markante Kritiken im Netz auffallen, würden wir uns über eine Information sehr freuen. :-)

Ich wünsche Ihnen einen guten Rutsch ins neue Jahr, mit freundlichen Grüßen,

Dennis Mellerowitz
Rdaktionsleitung DME
redaktion-dme@museumseisenbahn.de

MartinSchiffmann
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LKM-Buchkritik ist und bleibt peinlich und unsachlich/Zu DME 4/2018

Beitrag von MartinSchiffmann » Mi 2. Jan 2019, 13:47

Werter Herr Mellerowitz,

vielen Dank für Ihre Antwort zu meiner Kritik an einer unsachlichen und nach wie vor peinlichen Buchrezension in der Ausgabe 4/2018 der DME.

Es ehrt Sie natürlich, dass Sie sich in Ihrer Funktion als Redaktionsleiter schützend vor einen Redaktionskollegen stellen - doch in diesem Fall ist dies für mich nicht weiter als falsch verstandene Nibelungentreue zu bewerten.

1) Zunächst einmal spreche ich ... nach wie vor eine gebotene Neutralität beim Verfassen von einigen (wohlgemerkt: nicht allen!) Buchbesprechungen ab. Wenn selbst Ihnen dies in der aktuellen DME 4/2018 nicht aufgefallen ist, spricht dies nicht gerade für die Kompetenz der aktuelle Redaktion der DME - schade, aber wohl nicht abänderbar.

2) Das LKM-Buch aus dem EK-Verlag ist ohne Wenn und Aber "literarischer Schrott" - ein von Ihnen genannter Begriff, der die inhaltliche Qualität des aus der Feder von Udo Kandler stammendes Buches haargenau auf den Punkt bringt.

...

8) Dieses Forum des DEV ist gemäß Untertitel auch für die DME bzw. Kritiken gedacht - eine Unterscheidung zwischen "positiver" und "negativer" Kritik ist für mich nicht erkennbar. Daher halte ich dieses Forum für den geeigneten Platz, sachlich begründete Kritik (wohlgemerkt, keine unsachliche Polemik) an der DME als solche wie auch an den Autoren (damit muss ein Autor leben können, denn ich greife ihn nicht als Privatmann an, sondern in meinem Fall als Rezensent der DME, aber das können zugegebenermaßen nicht alle Zeitgenossen differenzieren) in die Öffentlichkeit zu bringen.

Zum Schluß:
Ja, ich bleibe weiterhin bei meiner Kritik an dem LKM-Buch an sich und auch an der Kritik an dem Rezensenten ... und seiner unsachlichen Rezension, der damit den Lesern und/oder Eisenbahnfreunden einen Bärendienst erwiesen hat.

Glück Auf!

Martin Schiffmann, Krefeld

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Re: Peinliche Rezension in der DME 4/2018 ...

Beitrag von admin » Do 3. Jan 2019, 21:50

Hallo Martin,

wie Du selber schreibst, ist dieses Forum offen für Kritik - sowohl positive wie auch negative. Allerdings hat auch dieses Forum Regeln, an die sich jeder Nutzer halten muss. Ich zitiere hier kurz aus den Regeln:
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Ich hoffe, dass Du in Deinen nächsten Beiträgen die persönlichen Angriffe vermeidest, für fachliche Beiträge sind wir hier jederzeit offen.

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